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Es kam aus der Leitung I Ein "harmloses" Spielchen von Dan Richter Besetzung:
Requisiten: T-Shirt, Ketchup, Pappmesser, zwei Handys, Laptop
(aufgeführt am 27.4.06) Erik, Bert, David, Ambrosius und Adenauer SPRECHER: Dies ist die Geschichte „Es kam aus der Leitung“. Ein Mahn- und Warnstück für alle, die sich noch mahnen und warnen lassen. Es beginnt harmlos, wie alle Mahn- und Warnstücke. Und was könnte harmloser sein, als ein Versteckspielchen. Fünf befreundete Teenager, Erik, Bert, David, Ambrosius und Adenauer, die das Ende der Sommerferien mit einem kleinen Besäufnis begangen haben, wollen hier im Park Verstecken spielen. Nur Erik scheint sich etwas zu sträuben. Doch hören wir selbst.
ERIK: Ach, ich weiß nicht. Sind wir nicht ein bisschen zu alt für so was? DIE ANDEREN VIER (im Chor): Verstecken! Verstecken! Verstecken! ERIK: Mann, erst saufen wir uns die Birne zu, und dann spielen wir so’n Kinderkram. BERT: Ist doch lustig. Hab dich doch nicht so. ERIK: Na gut. Wer sucht? DIE ANDEREN VIER (im Chor): Du! ERIK: Sehr witzig. AMBROSIUS: Na, dann abzählen. ERIK: Und wer zählt ab? DIE ANDEREN VIER: Du! ERIK (zählt ab): Eene meene mu, raus bist du. (zeigt auf sich selber). DIE ANDEREN VIER: Du! ERIK: Na, super! OK, OK, dann hab ich’s wenigstens hinter mir.
Erik
stellt sich an die Säule, verdeckt den Blick mit den Händen und zählt
langsam bis zwanzig
ERIK: neunzehn, zwanzig, ich komme! Erik
sucht auf vor der Bühne, kann aber nichts finden.
ERIK (spricht ihn an): Adenauer? Adenauer! Oh Gott! Oh mein Gott! (Schnuppert) Verdammt! Er riecht nach Bittermandeln! Sollte er vergif... Scheiße! Scheiße! Scheiße! (ruft die Freunde) Ambrosius! Bert! David! Adenauer ist tot!
Erik sucht die Freunde. Findet hinterm Sofa Ambrosius blutüberströmt. Ambrosius kullert über die Bühne. Erik schreit vor Entsetzen auf.
ERIK (spricht ihn an): Ambrosius? Ambrosius! Oh Gott! Oh mein Gott! Das ganze Blut! Scheiße, Scheiße, Scheiße! (ruft die Freunde) Bert! David! Adenauer und Ambrosius sind tot! Erik sucht die Freunde. Zieht den Vorhang auf. Bert ist erhängt.
ERIK (spricht ihn an): Bert? Bert! Oh Gott! Oh mein Gott! Erhängt! Am eigenen Gürtel erhängt. (schneidet ihn ab, die Leiche fällt herunter). Scheiße, Scheiße, Scheiße! (ruft) David! Adenauer, Ambrosius und Bert sind tot.
David kommt von der Bühnenseite langsam und mit starrem Blick. Zwei, drei Schritte.
ERIK: Oh Gott, David! Da bist du ja. Sieh dir das an! (deutet auf die Leichen) Alle tot. Adenauer, Ambrosius, Bert. DAVID: (reagiert nicht, starrt nur Erik an) ERIK: Nun, sag doch was, David! Mein Gott, was ist hier passiert? David! (geht auf David zu) DAVID: Ich... wollte... Sie ... haben mich... Hölle! (fällt in Eriks Arme. Hat ein Messer im Rücken. Stirbt.) ERIK (spricht ihn an): David? David! Oh Gott! Oh mein Gott! Das ganze Blut! Scheiße, Scheiße! (schreit) Aaaaaah! Handyklingeln ERIK: Hallo! STIMME (übers Mikro. Einschmeichelnd): Na, mein schöner Freund, was sagst du nun? ERIK: Hallo? Wer ist da? STIMME: Ein Freund. ERIK: Was soll das? Wer sind Sie? Haben Sie das alles... STIMME (unterbricht): So viele Fragen auf einmal, mein kleiner Freund! Du bist wohl sehr wissbegierig. Das gefällt mir. ERIK: Hören Sie auf mit dem Scheiß. Meine Freunde sind tot. Haben Sie damit was zu tun? STIMME: Natürlich. Was hast du denn gedacht, du kleiner Hosenscheißer? Denkst du deine vier Freunde sterben zu-fäl-lig gleichzeitig einen unnatürlichen Tod. Und da – hopppala klingelt das Handy und ein Verrückter ist dran. Und das eine sollte mit dem anderen nichts zu tun haben? Erik, Erik, ich hätte dich für intelligenter gehalten. ERIK (schreit): Hiiilfe! STIMME: Glaubst du, das nutzt dir hier was? ERIK: Wo sind Sie? STIMME (noch eindringlicher): Näher als du glaubst. ERIK greift sich panisch an den Kopf und blickt sich um, um den Anrufer zu orten. STIMME: Da brauchst du dir gar nicht an den Kopf zu fassen. ERIK: Scheiße, Mann, was wollen Sie? STIMME: Eine gute Frage. Jetzt hör mir genau zu, du kleiner Rotzlöffel. Deine Freunde interessieren mich nicht. Die waren dumm, hässlich und grob. Sie wollten dich mit ihren Sauftouren in die Welt der Sünde reinziehen. ERIK: Was soll der Scheiß! STIMME (jetzt böse): Erik! Du warst der einzig Reine unter ihnen. Dein Blut ist unverdorben, deine Augen sind gut, deine inneren Organe voll funktionsfähig. Das ist heutzutage eine Seltenheit unter Fünfzehnjährigen. ERIK: Lassen Sie mich in Ruhe, Sie Irrer. Ich hab Ihnen nichts getan. Ich geh zur Polizei! (legt auf) Etwas zeckt ihm in den Nacken. ERIK: Au! (greift sich in den Nacken) Telefon klingelt wieder. Zögernd nimmt Erik ab. ERIK: Hallo? Was war das? STIMME: Was das war? Ein kleiner Gruß von uns. Es tut mir leid, Erik. So sind die Regeln. Von mir aus kannst du ruhig zur Polizei gehen. Die glauben dir sowieso kein Wort. Aber leg nie, nie wieder auf, bevor ich es dir gestatte. Ist das klar? ERIK (eingeschüchtert): Ja. STIMME: Du darfst jetzt auflegen und nach Hause gehen. ERIK: Hä? Und dann. STIMME: Weitere Instruktionen bekommst du später. ERIK: Was denn für Instruktionen? STIMME: Blatzkewski. ERIK: Hä? Was? Hallo! Hallo? Ich wollte noch.. Hallo? Scheiße. (will das Telefon einstecken, dann fällt ihm was ein:) Die Nummer! Ha! Ich hab ja die Nummer. Betrachtet das Display. Scheiße! Das war von Adenauers Handy. Nächste
Szene ERIK: ... und da habe ich festgestellt, dass Adenauer vergiftet worden war. SEKRETÄR (langsam Protokoll tippend): ... Dass. A-de-nau-er. Ver-gif-tet. Wor-den. War. POLIZIST (gut gelaunt und wohlwollend): Hahaha, Adenauer vergiftet! SEKRETÄR: Soll ich das auch aufschreiben? POLIZIST: Nein. Hör mal, Erik Spangenberg. Du hast wohl ein bisschen was getrunken, oder? ERIK: Ja, aber das hat doch damit überhaupt nichts... POLIZIST: Ja, ja, das kennen wir. Das erste Mal was über den Durst trinken, und schon die dollsten Verschwörungstheorien aufdecken: Adenauer wurde vergiftet, Berlin hat die Form des Aliens aus Alien III, das Universum ist eine Flüssigkeit von unbestimmbarer Form. Hammwa alles schon gehabt, mein lieber Erik Spangenberg. Adenauer vergiftet! ERIK: Mann, der hieß doch nicht Adenauer, den haben wir doch nur so genannt. POLIZIST: Alles klar! Adenauer hieß nicht Adenauer. Helmut Kohl hieß auch nicht Helmut Kohl. Und ich heiße wahrscheinlich auch nicht Dieter Blatzkewski. ERIK (erschrocken): Was? Wie heißen Sie? POLIZIST: Nein, wahrscheinlich heiß ich gar nicht Blatzkewski, sondern werde nur so genannt. ERIK: Aber „Blatzkewski“, das war das Wort, das die Stimme am Telefon gesagt hat. POLIZIST: Alles klar. Jetzt auch noch Stimmen im Telefon. (steht auf und legt Erik die Hand auf die Schulter). Mein lieber Erik, wenn ich dir einen Rat geben darf, dann schlaf dich mal ordentlich aus. Morgen fängt die Schule wieder an, da wollen wir doch frisch sein, nicht war? ERIK: Ja, aber ich... POLIZIST: Du willst widersprechen? Ich muss dich wohl erst mit dem Gummiknüppel ins Bett prügeln, hahaha. Ab, mein Freund, da ist die Tür. Und wenn du morgen noch Stimmen hörst, dann kannst du dich ja noch mal vertrauensvoll an deinen guten alten Wachtmeister Blatzkewski wenden. Erik geht POLIZIST (zum Sekretär): So, ich mach dann auch mal Feierabend. SEKRETÄR: Alles klar, Chef. POLIZIST: Und machen Sie heute nicht wieder so lange. Das bezahlt Ihnen doch keiner. Hahaha. SEKRETÄR: Jawohl, Chef. Polizist geht. SEKRETÄR: tippt weiter. Sound: Pistolenschuss Sekretär kippt um. Schlussmusik SPRECHER: Na toll. Fünf Leichen und eine Stimme. Super Story-Anfang. Wer wird Erik noch Glauben schenken? Warum muss jemand, der den absolut lustigen Spitznamen Adenauer trägt, schon im ersten Teil sterben? Wird es auch im zweiten Teil von Blut nur so triefen wie im ersten? All das erfahren Sie im zweiten Teil des großen Warn- und Mahndramas: Es kam aus der Leitung
Musik! ******************** |