Es kam aus der Leitung VI

Der Da Vinci Kot

von Dan Richter

 

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 Besetzung:
Enkel– Stephan,
Jürgen – Jochen
Erik – Bohni
Vater, Sprecher 1 – Dan
Samuel, Sprecher 2 – Robert
Heiko – Volker 

 

 

aufgeführt bei der Chaussee der Enthusiasten
am 9.6.06

 


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SPRECHER 1: Hat sich mal jemand gefragt, warum diese Intros immer so lange dauern, wenn sie doch mehr verwirren als aufklären? Die heutige Folge wird diesem unangenehmen Missstand ein Ende bereiten. Denn seien wir doch mal ehrlich, Leute, niemand braucht lange Intros. Die Folgen sind sowieso wie bei der Lindenstraße oder Dallas so aufgebaut, dass man jederzeit einsteigen kann. Ach, was sag ich, es könnte auch irgendeine andere Serie sein, z.B. Floris, der Mann mit dem Schwert oder Was ist denn heut bei Findigs los? Ich glaube, ihr wisst, was ich meine, ich brauche ja nicht das Intro jetzt mit zahllosen Beispielen noch länger zu machen als nötig, was ja auch etwas paradox wäre, war es doch mein Ziel, gerade auf den Missstand überlanger Intros hinzuweisen. Ein Intro muss kurz und knapp sein. Jedes Wort muss genau abgewogen sein: Gehört es rein oder nicht? Könnte man vielleicht sogar ganze Sätze streichen? Manchmal ist es ja so, dass die Message beim Zuhörer schon längst angekommen ist, aber das Intro einfach nur weiterplätschert und sich nicht um heute oder morgen schert. Überflüssige Sätze im Intro treiben manche Zuhörer zur Weißglut. Ein subtiles Zeichen der Zuhörer ist dann oft, dass sie einfach zu applaudieren beginnen, als gutgemeinte Geste im Sinne von „Wir sind ungeduldig, lieben euch aber trotzdem.“ Weniger subtil, aber nichtsdestotrotz klar und oft auch wirksam ist der Zwischenruf: „Anfangen!“, dann wissen alle: „Oh ha! Jetzt ist es aber höchste Eisenbahn auch mal mit ein wenig Action beginnen.“ Spätestens an dieser Stelle sollte der Intro-Sprecher gewarnt sein, aber was soll er tun? Er ist gefesselt an den Text, er kann nicht aus seiner Intro-Sprecher-Haut. Im Gegensatz zum Schreiber, der hat es gut und lacht sich ins Fäustchen. So, jetzt haben wir uns fast ein bisschen verplaudert. Dabei wollte ich doch das Intro vorlesen. Jetzt geht’s also richtig los:
Eine Geheimloge hat Eriks Freunde ermordet und ihn entführt. Er sitzt mit Tausenden in einem Kerker. Das war’s.

ERIK: Und dann haben mich die Gefangenen zu ihrem König gewählt.

ENKEL: Das ist ja total spannend, Opa. Aber wie bist du dann freigekommen?

ERIK: Ich habe mit einem einzigen Fußtritt die eiserne Tür zertreten die Wachen erwürgt und die Chefs der Geheimloge der Polizei übergeben.

ENKEL: Aber wie bist du zu solchen Kräften gekommen, wo es doch kaum was zu essen gab, wie du vorhin sagtest.

ERIK: Wir haben uns von den Ratten ernährt, die da rumgeflitzt sind. Und außerdem verfügte ich schon damals über einen außerordentlich stattlichen Körperbau.

ENKEL: Und dann bist du Bundespräsident geworden?

ERIK: Ja.

ENKEL: Und UNO-Generalsekretär?

ERIK: Ja.

ENKEL: Und hast alle Leiden der Welt besiegt?

ERIK: Ja.

ENKEL: Superopa! Superopa! Superopa! Superopa!

ERIK: Ja, so war das. Ich war der Größte!

ENKEL (geht langsam von der Bühne und wird leiser): Superopa! Superopa! Superopa! Superopa!

ERIK (verträumt): Der Größte.

JÜRGEN (weckt ihn auf): Erik?

ERIK: Der Größte.

JÜRGEN: Ist dir nicht gut?

ERIK: Äh... Was? Achso, doch, ja. Haha.

JÜRGEN: Hast du wieder geträumt?

ERIK: (nickt heftig)

JÜRGEN: Von der Freiheit?

ERIK: Von der Freiheit.

JÜRGEN: Es ist eine Schande! Wozu das alles? Seit acht Monaten bin ich jetzt schon hier drin, manche schon seit acht Jahren, und kein einziger von uns ist hier rausgekommen. Es gibt nicht mal Verhöre. Das ist doch völlig unklar. Es gibt überhaupt keine Gemeinsamkeiten zwischen uns. Hier sitzen Chemiker, Banker, Arbeitslose, Bastler, Hobbyköche, Studenten, Pionierleiterinnen. Wozu? Erik. Wozu? Was wollen die von uns?

Auftritt Samuel

SAMUEL: Erik!

ERIK: Ja?

SAMUEL: Ist hier ein Erik?

ERIK: Ja.

SAMUEL: Komm mit!

ERIK: Was?

SAMUEL: Zum Verhör!

JÜRGEN: Hä? Was ist denn jetzt los? Verhör oder wie oder wo? Hier gab’s doch noch nie jemanden, der rausgekommen ist. Bist du bei der Stasi oder was? Was soll denn das jetzt auf einmal?

SAMUEL: Hier geht’s lang.

Jürgen ab. Samuel führt Erik in den Verhörraum, wo Heiko schon sitzt.

HEIKO: Na, mein lieber Erik, nimm Platz.

HEIKO: Zigarre?

Heiko hält Erik eine Zigarettenschachtel hin. Dieser nimmt sich eine. Heiko zündet sie an.

HEIKO: Wie geht’s dir?

ERIK: Na ja, ein Aufenthalt im Luxushotel ist das nicht gerade, was sie einem hier anbieten.

HEIKO: Hahaha.

ERIK: Hahaha.

HEIKO: Erik, wir haben mit dir Großes vor.

ERIK: Wer sind Sie?

HEIKO: Heiko.

ERIK: Erik.

HEIKO: Ich hab nur Spaß gemacht. Ich bin gar nicht Heiko.

ERIK: Hahaha.

HEIKO: Ich hab nur Spaß gemacht. Ich bin doch Heiko.

ERIK: Hahaha.

HEIKO: Ich sehe, du hast Humor.

ERIK: Wenn Sie das Humor nennen.

HEIKO: Erik, kommt dir diese Welt nicht manchmal etwas seltsam vor?

ERIK: Na ja, bevor Sie meine Freunde umgebracht haben, bevor ich an einen verrückten Kommissar geraten bin, bevor sich Ambrosius’ Eltern nicht mehr daran erinnern konnten, einen Sohn gehabt zu haben und bevor Sie mich hierher entführt haben, fand ich die Welt eigentlich völlig normal.

HEIKO: Das ging uns allen so.

ERIK: Klären Sie mich auf?

HEIKO: Ja. Also, Erik, vor vielen 100 Jahren, da lebte mal ein Maler, der malte ein Bild. Mit diesem Bild hatte es eine besondere Bewandtnis, denn es war nicht irgendein Bild, und es war auch nicht irgendein Maler. Der Maler hieß Leonardo da Vinci. Und auf dem Bild war seine eigene Kacke zu sehen!

ERIK: Die Kacke?

HEIKO: Der Kot.

ERIK: Der Kot von Leonardo da Vinci?

HEIKO: Der Da Vinci Kot.

ERIK: Hahaha.

HEIKO: Das ist kein Witz.

ERIK: Oh, Entschuldigung. Aber wenn das kein Witz ist, was hat das mit mir zu tun?

HEIKO: Gar nichts.

HEIKO: Hahaha.

ERIK: Wollen Sie mich veralbern?

HEIKO: Nein, ich will nur, dass du siehst, dass unsere Regeln nicht deine Regeln sind. Und jetzt habe ich eine kleine Überraschung für dich. Öffnet das Tor 3!

ERIK: Papa!

VATER: Erik!

ERIK: Hast du für diese Leute gearbeitet?

VATER: Nein.

ERIK: Nein?

VATER: Nein, aber das ist zu kompliziert, das zu erklären.

HEIKO: Ariel!

VATER: Wotan!

Sie umarmen sich

ERIK: Ich versteh gar nichts mehr!

HEIKO: Pass auf! Du bekommst eine Aufgabe, die so geheim ist, das ich sie dir nur stückchenweise anvertrauen darf. Es ist wie bei einer Schnitzeljagd: Du löst immer nur Teilaufgaben und erfährst dann an der nächsten Stelle die neue Aufgabe. Bist du dafür bereit.

ERIK: Aber wozu das alles?!

HEIKO: Die Alternative kennst du bereits.

ERIK: Dann hab ich ja wohl keine Wahl.

HEIKO: Nein. Also: Hier die Aufgabe Nummer Eins: Gehe am kommenden Dienstag zum Teutoburger Platz, dort wirst du einen Mann mit grüner Sonnenbrille treffen, dieser Mann heißt Giuseppe und gehört einer italienischen Organisation von Kriminellen an, er ist schwerbewaffnet und wird versuchen, dich zu töten. Er ist Profi. Deine Aufgabe besteht nun darin, ihn von seinem Vorhaben abzubringen.

ERIK: Na, das klingt ja super. Wirklich toll. So eine Aufgabe hab ich schon lange gesucht. Einen Mafia-Killer überreden. Schön. Sonst noch was im Angebot? Weltfrieden stiften? Klimaerwärmung stoppen?

VATER und HEIKO: Erik! Wir spaßen nicht.

SPRECHER 2: Wird Erik die Aufgabe bewältigen? Warum er? Warum nicht du oder ich? Die nächste Folge bringt die Auflösung aller Fragen, die ihr euch noch nie zu stellen getraut habt. Denn ihr wisst:

Es kam aus der Leitung.


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