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Es kam aus der Leitung VII Der Pate von Dan Richter
Besetzung:
aufgeführt
bei der Chaussee der Enthusiasten
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SPRECHER: In den letzten Wochen sind in diesem Theaterstück so viele verwirrende Dinge geschehen, dass ich sie nicht alle aufzählen kann. Nur so viel: Es war viel und es war verwirrend. Zwei Stühle am linken Bühnenrand. ERIK: Tja, und dann, mein lieber Steven, haben mich diese Goldene-Pforte-Sekten-Verrückten auf diesen Mafia-Typen gehetzt. STEVEN: Aber Opa, ich verstehe überhaupt nichts mehr. Ich denke, diese Sekte waren die Kriminellen. ERIK: Waren sie ja auch. STEVEN: Aber wieso sollten sie dich dann ausgerechnet auf einen Mafia-Typen ansetzen wollen, die Bedrohung müsste doch eigentlich die Polizei gewesen sein. ERIK: Die Polizei hatten sie doch längst gekauft. Es gab in der ganzen Stadt keinen einzigen anständigen Bullen mehr. Die Mafia jedoch war die entscheidende Konkurrenz. STEVEN: Aha. Und du hast die alle abgemurkst? ERIK: Ja. STEVEN: Opa, du machst mir Angst. ERIK: Ja, Steven. STEVEN: Aber Opa? ERIK: Ja, Steven? STEVEN: Wie hast du das geschafft? ERIK: Mein lieber Steven, hast du schon mal das Sprichwort gehört, dass der Fisch vom Kopf her stinkt? STEVEN:
Ei wei! Diese Redensart ist mir wohl bekannt. ERIK:
Und wenn er vom Kopfe her stinket, so ist’s auch der Kopf, der als
erstes fallen muss. STEVEN:
Der Kopf der Mafia? ERIK:
Der Kopf der Mafia! STEVEN:
Der Pate? ERIK:
Der Pate. Er war es, den ich besuchte, vorgeblich, um ihn bei meinem
Kampf gegen die Sekte zu bitten. STEVEN: Ei Opa, das ist spannend, erzähl mir von jenem Besuche in der Höhle des Löwen. Büro des Paten. ERIK:
... und keiner hat sich um den Tod von Ambrosius und Adenauer gekümmert
und so sagte ich mir: wenn ich Gerechtigkeit will, dann muss ich zum
Don. PATE:
Warum gehst du zur Polizei? Warum kommst du nicht gleich zu mir? ERIK:
Bitte! Ich zahle alles, was Ihr wollt, aber tut, worum ich Euch
bitte. PATE: Und das wäre? Erik geht um den Tisch,
und sagt es dem Paten ins Ohr. PATE:
Das kann ich nicht tun. ERIK:
Bitte!! PATE:
Erik, Erik, das ist das erste Mal, dass du zu mir kommst, aber du
kommst nicht in Respekt, du bietest mir keine Freundschaft an, du nennst
mich nicht einmal „Pate“. ERIK: Bitte! Wieviel soll ich Euch zahlen! Der Pate erhebt sich und geht durch den Raum. PATE:
Erik, Erik! Was hab ich nur getan, dass du mich so respektlos
behandelst. Wärst du in Freundschaft zu mir gekommen, dann würde
dieser Sekten-Abschaum, der deine Freunde umgebracht haben, noch heute
dafür leiden. Und wenn ein ehrlicher Mann wie du, sich Feinde machen würde,
dann würden sie meine Feinde. Und dann würden sie dich fürchten. ERIK:
Seid mein Freund... Pate! PATE:
hält ihm die Hand mit dem Ring zum Kuss hin. ERIK:
Und nimm dies, du Gangster. (ersticht
ihn.) PATE:
Hä? Na, das ist ja jetzt komisch. (stirbt.) Erik / Steven STEVEN:
Opa? ERIK:
Ja, Steven? STEVEN:
Eine Geschichte, die so extrem unglaubwürdig ist, habe ich ja noch
nie gehört. ERIK:
Unglaubwürdig? STEVEN:
Die Wächter hätten dich doch am Eingang gefilzt. ERIK:
Haben sie auch, es war die gründlichste Leibesvisitation, die ich
je durchstehen musste, und dabei haben diese Deppen vergessen, meinen
Koffer zu durchsuchen, in dem ich die Waffen mit mir herumtrug. STEVEN:
Und nachdem du den Paten tötetest, hätte sich doch die Schar der
Leibwächter auf dich stürzen müssen. ERIK: Das taten sie auch, aber ich machte kurzen Prozess mit ihnen. Erik wieder im Büro des
Paten. Szenenwechsel: Erik / Steven STEVEN:
Und die Sekte, Opa, lohnte sie es
dir? ERIK:
Freilich wollten sie es mir lohnen. Mit dem Tode wollten sie es mir
lohnen. Sie sprachen zwar viel von „Auserwählter“, doch wusste ich,
dass ich nur Instrument war in ihren Händen. In das Loch sollte ich zurück,
in den Kerker. STEVEN:
Was tatest du, um dieses Missgeschick abzuwenden? ERIK: Ich wandte denselben Trick an, der bei der Mafia schon so gut funktioniert hatte. Im Büro des Großmeisters
der Goldenen Pforte GROSSMEISTER:
Das glaub ich gern. Und deshalb sollst du heute in den Hohen Rat der
Goldenen Pforte aufgenommen werden, komm nur mit in den Krönungssaal,
hehehe. ERIK: Das will ich gern tun. Aber vorher sterbt! Erik bewirft die Sektenmitglieder mit (imaginären) Messern, sie werden getroffen und fallen tot um. STEVEN:
Du hast sie auch getötet? ERIK:
Ja, das hast du doch gerade gesehen. STEVEN:
Gesehen? Wie kann ich das „sehen“, wenn du es mir nur erzählst? ERIK:
Stimmt. STEVEN:
Versuchst du, indem du hier auf die theatrale Situation anspielst,
quasi die berühmte vierte Wand durchbrichst und die Theatralik
thematisierst, ohne sie völlig zu zerstören, von deiner gewalttätigen
Vergangenheit abzulenken? ERIK:
Ja. STEVEN:
Das ist nicht gut. ERIK:
Meinst du? STEVEN: Ja. Sie schauen einander lange an. ERIK:
Es kommt noch schlimmer. STEVEN:
Ich wurde selbst der Großmeister der Goldenen Pforte. ERIK:
Aha. STEVEN: Ich beherrschte die Welt. Erik steht vor seinen Anhängern (Publikum) ANHÄNGER:
Hoch! Hoch! Hoch! STEVEN:
Flunkerst du auch nicht? ERIK:
Nein. STEVEN: Und wie kam es dann, dass wir jetzt in der Kanalisation leben müssen? Wie kann es sein, dass du die Welt beherrschtest, und nun sind die Ratten unsere besten Freunde? Wie kann es sein, dass du der Großmeister der Goldenen Pforte warst und ich, dein Enkel, sehe mit acht Jahren schon so verloddert aus wie ein neunzigjähriger Greis? Wie ist es möglich, dass du vom Himmel in die Hölle fielst? Verriet dich jemand? Stiegst du aus? Hast du deine Führerposition aufgegeben zugunsten dieses eremitären Lebens? Sag mir die Antwort, Opa! Sag sie mir! SPRECHER: Seid ihr auch scharf auf die Antwort? Dann guckt nächste Woche wieder rein.
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