|
Es kam aus der Leitung VIII Die Mousse au Chocolat auf dem Sack von Dan Richter
Besetzung:
aufgeführt
bei der Chaussee der Enthusiasten (Um den Film zu sehen, brauchen Sie den Macromedia Flash Player.)
SPRECHER: Nachdem Erik die Weltherrschaft übernommen hatte, verschwand er in die Kanalisation. Zig Jahre später erzählt er seinem Enkel davon. Erik und Steven am vorderen Rand der Bühne STEVEN:
Soll das heißen – du hast dir dieses Leben hier in der Kanalisation
freiwillig ausgesucht? ERIK:
„Freiwillig, freiwillig!“ Was weißt du denn schon von freiem
Willen. Die Umstände zwangen mich – die Bürde der Verantwortung. Das
Dilemma, Gutes zu wollen und Schlechtes tun zu müssen! STEVEN:
Aber Opa, du ziehst mich voll mit rein in den Scheiß deiner
vergurkten Biografie. Ich hab doch mit all dem nichts zu tun. ERIK:
Wohl wahr! STEVEN:
Und dennoch muss ich hier in der Kanalisation leben. Ein Leben, das,
wie du zugeben musst, uns den Ratten, die unsere tägliche Kost sind,
immer ähnlicher macht. ERIK:
Ein Umstand, den zu leugnen mir schwerer fiele, als du glaubst. STEVEN:
Nun denn – die Freiheit will ich! ERIK:
Du Naseweis! Ahnst du denn, dass nur der sich Freiheit verdient wie
das Leben, der täglich sie erobern muss. STEVEN:
Ja, Opa. ERIK:
So schau nur hier! (er deutet
auf die Tür) STEVEN:
Ein Türlein ist’s, das noch nie ich hier erspäht. ERIK:
Ein Türlein, wohl! Mag es dir die Freiheit weisen, STEVEN:
Ein Tor, ein Türlein, ei der Daus! Er setzt sich auf einen Stuhl. Wartet. Schaut Richtung Publikum SPRECHER: Fünf Jahre später STEVEN: Ja, ich tu’s. Er geht zur Tür und streckt die Hand danach aus. STEVEN: Oder nein, lieber doch nicht. Er setzt sich auf einen Stuhl. Wartet. Schaut Richtung Publikum SPRECHER:
Zwanzig Jahre später STEVEN: Was soll’s, wenn ich nichts unternehme, werde ich nie herausfinden, was es denn nun mit der sogenannten Freiheit auf sich hat. Geht zur Tür und öffnet sie. Geht gebückt durch den Zuschauerraum, dann seitlich off. Seitlich Offstage: Ambrosius, Adenauer, Erik AMBROSIUS: Verstecken! ERIK: Und wer sucht? AMBROSIUS: Adenauer! ADENAUER: Eins, zwei, drei... (zählt extrem langsam bis zwanzig). Ich komme! AMBROSIUS
(geht währenddessen auf die Bühne und läuft dort suchend hin und her): STEVEN: (hebt den Gullydeckel an und kriecht von unten aus der Kanalisation): Guten Tag! Liegt hier dei Freiheit? AMBROSIUS:
Was? Wie? Oh Gott! Ein Penner! STEVEN: Guten Tag! Ob ein Penner ich bin, vermag ich nicht zu sagen. Solch Vokabular erschließet mir sich nicht. Doch zurück zu meiner Frag’ – die Freiheit, liegt sie hier? AMBROSIUS:
Aaaaaaaah! (rennt weg) STEVEN: Welch seltsames Wesen! Adenauer auf die Bühne ADENAUER:
(sieht den Gully) Ah ja. In den Gully ist er also rein. STEVEN: Vielleicht könnt Ihr mir sagen, ob dies das Reich der Freiheit ist. ADENAUER kriecht in den Gully: Keine Zeit Geht gebückt durch den Zuschauerraum, dann seitlich off. STEVEN
(deklamierend ins Publikum): Und
will mir niemand Auskunft geben. SPRECHER:
Ich hoffe, ihr habt diese Metapher verstanden, denn dies war das Ende
des Theaterstücks „Es kam aus der Leitung“. DAME
aus dem Publikum: Was sollte denn das jetzt? HERR
aus dem Publikum: Das war die dämlichste Folge in dem ganzen Stück. DAME
aus dem Publikum: Sollte das jetzt die Auflösung sein, oder was? HERR
aus dem Publikum: Anscheinend. DAME
aus dem Publikum: Das ist doch Beschiss! Was ist denn jetzt mit
Eriks Freunden? HERR
aus dem Publikum: Stimmt. Bloß weil die jetzt am Schluss in zirkulärer
Referenz noch mal auftauchten, hat das der Sache doch keinen Sinn
gegeben. DAME
aus dem Publikum: Und dass all die Leute in den Teilen 2 und 3 ihr
Gedächtnis verloren haben, wurde gar nicht aufgelöst. HERR
aus dem Publikum: Und was war mit dieser komischen Sekte? DAME
aus dem Publikum: Die hatten irgendwas Großes mit Erik vor. HERR
aus dem Publikum: Genau. Und als es spannend wurde, haben sie die
Handlung 50 Jahre übersprungen und ihn zum Greis gemacht. DAME
aus dem Publikum: Und was ich nicht verstehe: Wenn Erik der Großvater
von Steven sein soll, wer sind dann Stevens Eltern. Das passt doch alles
hinten und vorne nicht. HERR
aus dem Publikum: Genau! Beschiss! DAME und HERR aus dem Publikum: BESCHIIISSS! AMBROSIUS: Dann darf ich das Stück vielleicht noch mal mit einer kleinen Metapher erklären: Eine Biene fliegt über eine Wiese. Da trifft sie eine Blume. Diese Blume hat zwei Blüten: Die eine ist gelb, und die andere ist gelb. Und die dritte Blüte ist rot. Die Biene setzt sich auf die gelbe Blüte, holt den Nektar raus und geht nach Hause, dort kriegt sie Kloppe von den Nachbarn, weil sie den Briefkasten angezündet hat. SPRECHER:
Habt ihr diese Metapher verstanden? DAME und HERR aus dem Publikum: Ja, jetzt ist alles klar. SPRECHER: Super. Dann können wir ja jetzt auch Feierabend machen. Dies war das Ende des Theaterstücks „Es kam aus der Leitung“.
******************** |