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Schulmädchenreport
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Montag, 30. August 04
Heute hatte die komplette Schule Wandertag, und es fand somit kein Unterricht
statt. Ursprünglich hatte ich mich einer Klasse anschließen wollen. Aber
in keiner kam ich mit meinem Vorschlag durch. Vermutlich weil ich nicht,
um mich beim Lehrer einzuschleimen, das Kupferstichkabinett ins Spiel brachte,
wie ich es ursprünglich in Erwägung gezogen hatte. Die Meinung der Schüler
war mir wichtiger. Darum trat ich lieber für das Strandbad Köpenick ein,
auch als sich schon abzeichnete, dass es in Strömen gießen würde. Die Schüler
störten sich ebenfalls nicht am Wetter und nahmen meine Anregung euphorisch
auf, besonders in den Klassen, in denen die Lehrer das Kupferstichkabinett
anboten. Ich war mir der Mehrheit gewiss und freute mich schon, die verschiedenen
Girls, in die ich gerade verliebt war, endlich mal im Bikini zu sehen. So
weit, auf das Angebot an FKK-Stränden aufmerksam zu machen, reichte mein
Schneid dann doch nicht. Einschließlich meiner gab es in jeder Klasse nur
eine Gegenstimme zu meinem Antrag, die der Lehrer. Da nur sie über die meiste
Lebenserfahrung verfügten, erkannten allein sie, dass es für die kognitiv-moralische
Entwicklung der Schüler notwendig war, wenn diese ihre Bedürfnisse weiterhin
zurückstellten und sich zunächst bildungsbürgerliche Habitusformen aneignen.
Ich bemühte mich um einen Kompromiss: „Wir können es ja so machen, Herr Rauter.
Sie gehen mit den Jungen ins Kupferstichkabinett und ich mit den hübschen
Mädchen, äh den Mädchen insgesamt in die Sauna.“ „In die Sauna?“ „Äh, Freibad
meine ich. Und am Dienstag tauschen dann beide Gruppen ihre Erfahrungen aus,
um zu ermitteln, welche Erfahrung mehr gebracht hat.“ Doch auch hier stieß
ich auf Beton. Vielleicht hat ich mein Angebot zu holprig vorgetragen.
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Dienstag, 31. August 04
Heute hatte ich ein klärendes Gespräch mit meinem Tutor. Es ging nicht um
die beiden Stunden, die ich bisher versaut hatte. Nein. Vielmehr war bemerkt
worden, dass ich die Photowand manipuliert, ich würde sagen perfektioniert
hatte. Aber für diesen Blickwinkel konnte ich meinen Tutor nicht erwärmen,
der vom Direktor beauftragt worden war, mit mir ins Gericht zu gehen. Außerdem
hatten sich andere Lehrer bei ihm über mein starkes Interesse für diverse
Schülerinnen beschwert. Das hatte sich wie ein Lauffeuer verbreitet. Er hielt
mir scheinheilig eine moralische Standpauke – von wegen unanständig, verboten,
pädophil, strafbar usf. – und ließ mich nicht zu Wort kommen, wohl weil er
fürchtete, meinen Argumenten nichts entgegensetzen zu können. Die Altersdifferenz
zwischen Joschka Fischer und seiner aktuellen Wohnungshüterin ist viel größer
als sie es zwischen mir und Schülerinnen selbst der Fünften je sein könnte.
Es ist doch besser, man geht gerne in die Schule, weil es dort jemanden oder
mehrere gibt, die man mag, als sich jeden Morgen quälen zu müssen. Man muss
sich auch weiterhin dafür interessieren, was die Jugend so bewegt. Und das
kann man nicht, wenn die Beziehung immer nur an der Oberfläche bleibt. Es
hat nichts mit dem Missbrauch seiner Rolle als Lehrer zu tun, wenn man die
Mädchen vorher fragt, ob sie auch einverstanden ist. Ich musste meinem Tutor
schwören, mich fortan zurückzuhalten. Andernfalls müsse mein Praktikum vorzeitig
beendet werden.
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Mittwoch, 1. September 04
Heute hatte ich eine Stunde Französisch. Ich habe beim Sprechen und beim
Schreiben vor Aufregung dauernd Fehler gemacht, was nicht weiter schlimm
ist, da an jeder normalen Schule die Schüler die Fehler nicht bemerken und
erst im Abi vom Zweitkorrektor darauf aufmerksam gemacht werden. Allerdings
bin ich nicht an einer normalen Schule sondern einer mit bilingualem Zug,
weshalb meine Fehler von der Klasse beanstandet wurden. Ich wies die Hinweise
aber kontinuierlich mit der Begründung zurück, ich sei hier der Lehrer und
somit befände ich über richtig oder falsch. Am Ende der Stunde kam ich ihnen
dann aber doch entgegen. Ich teilte ihnen eine selbstverfasste Übersicht
zu den französischen Zeiten der Vergangenheit aus und gab ihnen zur Hausaufgabe
auf, rauszukriegen, wie viele Fehler sich im Text versteckten. Der, der mir
nächste Stunde die richtige Lösung bieten würde, bekäme eine eins.
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Donnerstag, 2. September 04
Jeder Lehrer sollte sich davor hüten, witzig sein zu wollen. Nichts ist peinlicher
als eine klar als Scherz zu identifizierende Bemerkung des Lehrers, über
den die Schüler aber überhaupt nicht lachen können. In diesem Fall bleibt
einem nur, die Schule schnellstmöglich zu verlassen und sich erst wieder
dort blicken zu lassen, wenn auch die jüngeren Geschwister der Schüler dieser
Klasse ihr Abi längst in der Tasche haben. Aus eben diesem Grund blieb mir
heute nichts anderes übrig, als mein Praktikum vorzeitig abzubrechen, wobei
ich drauf hinweisen muss, dass die Schuld nicht bei mir zu suchen ist. Der
Scherz war wirklich perfekt. Nur hatten die Schüler nicht das intellektuelle
Niveau, dies auch zu realisieren und entsprechend zu würdigen. Aber ich bin
ja schon oft am gemeinen Volk gescheitert.
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Freitag, 3. September 04
Ich habe mein Praktikum wieder aufgenommen. Der Direktor wollte meine Begründung
für den Abbruch – ich hätte vor der Klasse einen Witz erzählt und die Schüler
nicht darüber gelacht - nicht akzeptieren. Mir fällt kein Grund ein, der
einen Abbruch mehr rechtfertigen würde. Aber da treffen wohl zwei Generationen
aufeinander. Als der Direktor jung war, da spielte Humor noch keine Rolle.
Der Lehrer hatte seinen Rohrstock und die Schüler spurten. Heutzutage hingegen,
da stimmen die Schüler erst mal darüber ab, ob sie einen Lehrer überhaupt
mögen, bevor dieser unterrichten darf. Und ein gescheiterter Witz ist eigentlich
schon fast das Todesurteil. Aber immerhin wurde mir zugesichert, die Klassen,
in denen ich Stunden geben würde, wechseln zu dürfen.
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Teil 5: Unser Lehrer Dr. Specht Zeisig
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