Chaussee der Enthusiasten


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Stephan ZeisigRobert NaumannDanBohniVolker StrübingJochen Schmidt

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Betrachtung eines männlichen Jugendlichen beim Halten eines Referats vor der Klasse

Betrachtung einer weiblichen Jugendlichen beim Halten eines Referats vor der Klasse

Stephans Tour-de-France-Kolumne
2005

Stephans Praktikumstagebuch

Stephans Tour-de-France-Kolumne
2004
Stephans Erasmus-Tagebuch
Stephans taz-Kolumnen




Zeisig
Zur Person: Stephan Zeisig, geb. 1978, Intimkenner Frankreichs, und ausgewiesener Pädagogik-Experte, schreibt während seines Aufenthalts in Lille für ENTHUSIASTEN ONLINE seine Kolumne

L'auberge française


20.-26.9.05
Vorwort
, in dem Stephan die wahren Gründe für seine Emigration offenbart

27.9.-3.10.05
1. Kapitel
, in dem Stephan bei der Wohnungs- suche einige gravierende Fehler begeht.

4.10.-10.10.05
2. Kapitel
, in dem Stephan die Fehler der vorherigen Woche auszumerzen versucht und dabei auf interessante Ausländerinnen trifft.

11.10.-17.10.05
3. Kapitel
, in dem Stephan die Deutschen- Freundlichkeit der Franzmänner lobt.

18.10.-31.10.05
4. Kapitel
, in dem Stephan sich vergeblich bemüht, seine Berührungs- Ängste vor Gothik-Musik und netten Frauen zu überwinden.

1.-7.11.05
5. Kapitel
, in dem Stephan von seinem Versagen berichtet und Besserung und Ehrlichkeit gelobt.

8.-14.11.05
6.Kapitel
, in dem Stephan Bloc Party interviewt.

15.-21.11.05 7.Kapitel, in dem Stephan als Tramp ziellos durch Lille streift und dabei einen Deutschen belauscht, der gerade mit seiner eifersüchtigen Freundin telefoniert.

22.-28.11. 05 8.Kapitel, in dem Stephan ein Zeichen gegen den Antiamerika- nismus setzt.

29.11.-5.12.05 9.Kapitel, in dem Stephan keinen Job bei Libération bekommt und sich daher den revoltierenden Ausländern in Seine-Saint Denis anschließt.

6.12.-12.12.05 10.Kapitel, in dem Stephan vergebens versucht, seinen französichen Schülern die Vorzüge deutscher Rockmusik bei- zubringen

13.12.05-2.1.06 11. Kapitel: Stephan presäntiert seine Jahrescharts 2005

3.1.-9.1.06 12.Kapitel, in dem Stephan teilnehmender Beobachter einer sozialen Ausgrenzung wird

10.1.-16.1.06 13.Kapitel, in dem Stephan das Portrait eines selbstgerechten, intellektuellen Möchtegern- radikalen zeichnet

17.1.-23.1.06 14.Kapitel, in dem Stephan alte Weggefähr- ten wiedertrifft

24.1.-30.1.06 15.Kapitel, in dem Stephan neue Weg- gefährten trifft

31.1.06-6.2.06 16. Kapitel, in der Stephan ein Statement für die Pressefreiheit abgibt, solange sie niemanden verletzt

27.2.06-5.3.06 17.Kapitel, in dem Stephan über den Umgang französischer Schüler mit der Vergangenheit schreibt

6.3.06-12.3.06 18.Kapitel, in dem Stephan mit scharfem Verstand und wissenschaftlich
präziser Argumentation vergebens gegen ideologische Verbohrtheit ankämpft und deshalb eine neue Bleibe suchen muss

Neunzehntes Kapitel : 13. März - 19. März

Momentan verstärken sich landesweit die Proteste gegen den Contrat Première Embauche (CPE). So auch in Lille, wo gleich mehrere Fakultäten im Ausstand sind und es mehrmals in der Woche zu Demonstrationen kommt. Hier ein Artikel aus La Voix du Nord vom Freitag, den ich übersetzt habe.

Ungefähr 10 000 Anti-CPEler in den Straßen Lilles,
erste Ausschreitungen


Die Anti-CPE-Fronde weitet sich aus. Nach den tausend Demonstranten, die letzten Donnerstag in Lille demonstrierten, den 2000 am Dienstag waren es zwischen 6 500 (nach Polizeiangaben) und 8 bis 12 000 (nach den Organisatoren), die gestern Nachmittag durch die Innenstadt zogen.
Eine Mobilisierung, die sich vor allem mit dem Zustoßen neuer Einrichtungen zur Protestbewegung erklärt. Neben den drei Universitäten (Lille 1, 2 und 3), seit mehreren Tagen blockiert, muss beispielsweise die Anwesenheit des IUT B aus Tourcoing notiert werden. Eine Bewegung also, die sich intensiviert und verstärkt wird durch das Beitreten einiger höherer Schulen. So hat sich nach dem Anschluss der Studenten des Institut d’études politiques (IEP) Ende letzter Woche nun auch das École supérieure de journalisme (ESJ) aus Lille in die Bewegung eingemischt. Gestern marschierten ungefähr fünfzig von ihnen: „Es wurde Zeit, dass wir unseren Platz in der Bewegung einnehmen“, macht Émilie deutlich, die im zweiten Jahr am ESJ studiert. „Und überdies wollen wir die Idee widerlegen, dass die großen Écoles sich nicht bewegen. Science Po hat den Weg aufgezeigt.“
Wenn die Bewegung an Größe gewinnt, dann auch wegen der zunehmenden Mobilisierung der Gymnasiasten. Drei Lilloiser Einrichtungen (Faidherbe, Baggio et Ferrer) hatten Anfang der Woche den Reigen eröffnet. Gestern vermerkte die Fédération indépendante et démocratique lycéenne (FIDL) die Anwesenheit von etwa 30 Gymnasien im Demonstrationszug.
Nachdem sie Porte de Paris aufgebrochen war, passierte die Menschenschlange den Grande Place, um schließlich Ende des Nachmittags den Place de la République zu erreichen. Eine Menschenmasse, die das Zentrum der Hauptstadt Flanderns in einer weitgehend ausgelassenen Stimmung durchstreifte, mit Pfeifen, Rasseln und Gesängen: „Aux armes! Nous sommes les lycéens. Nous sommes les étudiants. Et nous allons gagner !“ „ CPE: qui sème la misère, récolte la colère“ ...

Mehrere Festnahmen

Der Ausgang der Demonstration war hingegen deutlich turbulenter. Vor dem Theater Sébastopol, einige Schritte vom Sitz der UMP entfernt, sahen sich die Demonstranten über eine Stunde lang mit mehreren Polizeikordons konfrontiert, die das Büro der Partei hermetisch absicherten, dessen Scheiben in den letzten Wochen bereits mehrmals eingeschlagen worden waren. Die Spannung stieg. Während sich ein Großteil des Trosses schließlich zum Place de la République weiterbewegte, begannen einige vermummte, überwiegend schwarz gekleidete und offensichtlich zum Teil alkoholisierte Jugendliche damit, Eier, Dosen und Pflastersteine auf die Ordnungskräfte zu werfen. Die Situation drohte zu eskalieren, als diese Gruppe plötzlich Zulauf erhielt von etwa 50 Schülern aus Richtung des in der Nähe liegenden Lycée Fénelon, die mit aller Macht dem Sitz der Partei Sarkozys zustrebten. Ob es sich dabei wirklich um Schüler dieser Einrichtung handelt, war bis Redaktionsschluss noch nicht klar. Angeführt wurde diese Gruppe aber nach mehreren Zeugenaussagen von einem etwa 27jährigen älteren Mann mit deutschem Akzent und Schlaghosen. Erst nachdem die Polizei zu Festnahmen überging, gelang es der Polizei, die Krawallmacher unter Kontrolle zu bekommen und schließlich zu zerstreuen.




Version française

Dix-neuvième chapitre: 13 mars – 19 mars

Peu nombreux sont les gens qui le savent, mais j’entretiens des relations excellentes et priviligiées avec Monsieur le Premier Ministre, Dominique de Villepin. On se rencontra il y a quelques années à Pau, lorsqu’il avait accepté une invitation du syndicat auquel j’étais affilié à l’époque, solidarité étudiante. Certes, on était en désaccord sur la plupart des sujets abordés. Néanmois, dans notre débat, si houleux et emotionnel fût-il, naquit un respect profond et mutuel. Plus tard dans la soirée dans un bar du boulevard des Pyrénées, devant nous la châine de ces géants qui délimite la frontière entre la France et l’Espagne, dans nos mains un verre d’un grand cru du terroir, ce respect se transforma en affection. Donc, on se fila nos adresses mails, encore que, après mon retour en Allemagne, nous nous n’écrivions pas régulièrement, nous étions toujours sensibles au bien-être et attentifs à la carrière de l’autre. Alors, malgré nos divergences politiques, je me réjouit de la nomination de mon pote au poste du premier ministre, de même qu’il était content d’apprendre que j’avait réussi à terminer mes études. Retournant en France pour mon assistanat, je décida donc de revigorer notre relation et de donner ainsi un nouvel élan à notre amitié. Voici une partie de notre correspondance depuis mon arrivée à Lille fin septembre.