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Sechstes
Kapitel: 8. November – 14. November
Am
11. November haben Bloc Party in Lille gespielt, im L’Aéronef,
einer Halle mit einem Fassungsvermögen von etwa 3000 Leuten. Da die
gesamte französische Journaille in Paris stationiert ist und sich
die Franzosen überdies, wie hinlänglich bekannt ist, mit dem
Englischen sehr schwer tun, gab es vor Ort niemanden, der mit der
Band für das regionale Kult-Fanzine presto,
vergleichbar mit Spex in
Deutschland, ein Interview hätte führen können. So wurde ich
gebeten einzuspringen. Die Redaktion hatte über drei Ecken davon
Wind bekommen, dass es in Lille einen deutschen
Fremdsprachenassistenten gibt, nämlich mich. Und als Deutscher war
mein gutes Englisch selbstverständlich über alle Zweifel erhaben.
Zu recht, wie ich finde. Davon konnte sich das Publikum im
RAW-Tempel und früher im Cube Club die letzten Jahre wöchentlich
selbst ein Bild machen. Für mich sprach natürlich auch, dass ich
Bloc Party schon im Frühjahr im Postbahnhof in Berlin und im Sommer
auf dem Melt-Festival gesehen hatte. Ich kannte die Jungs also
bereits. Und obwohl ich meine letzten Interviews in der zweiten Hälfte
der Neunziger für Berlins damals vielleicht wichtigste Schülerzeitung,
den Spanner, geführt hatte,
also durchaus aus der Übung war, ging ich doch einigermaßen
zuversichtlich an die Aufgabe. Einfach locker bleiben! Dann wird’s
schon. Und es wurde auch wirklich.
Vorsichtig
öffnet sich die Tür zum Backstagebereich, in dem ich bereits mit
meinem Diktiergerät warte. Schüchtern stecken Kele, Gordon, Russel
und Matt ihre Köpfe ins Zimmer. Nachdem sie mich erblickt haben,
atmen sie erleichtert auf und kommen zu mir an den Tisch. Statt sich
gleich in die Couch zu fläzen, geben sie mir wie richtige
Gentlemans von der Insel zunächst artig die Hand. Natürlich haben
sie sich ihre verschwitzten Patscher vorher noch gewaschen. Ihnen
scheint sehr viel daran zu liegen, nicht mit diesen Rüpeln von
Oasis in einen Topf geworfen zu werden. Obwohl ich nichts gegen Rüpel
habe, empfinde ich es doch als ausgesprochen wohltuend, mal nicht
jemandem gegenüberzusitzen, der vor Starallüren keinen halbwegs
informativen und vor allen Dingen syntaktisch und grammatisch
korrekten Satz rauskriegt. Draußen in der Halle sind die
frenetischen „Zugabe, Zugabe“-Rufe immer noch nicht verebbt.
Stephan:
Hallo Jungs! Wie war der Gig?
Keke: Super!
Gordon: Spitze!
Russell: Einzigartig!
Matt: Gigantisch!
Stephan: Wollt ihr vielleicht lieber erst noch eure Zugaben spielen,
bevor wir das Interview beginnen?
Keke: Nö!
Gordon: Nö!
Russell: Nö!
Matt: Nö! Jetzt machen wir das Interview! Versprochen ist
versprochen.
Stephan:
OK! Was sind eure Lieblingsgerichte?
Keke: Ich mag Fish and Chips.
Gordon: Ich auch.
Russell: Ich auch.
Matt: Ich nicht.
Stephan:
Was würdet ihr später gerne mal werden?
Keke: Ich möchte mal eine Sauna aufmachen, zwei Jahre richtig
ackern und mich dann zur Ruhe setzen.
Gordon: Lehrer.
Russell: Zugführer.
Matt: Ich weiß noch nicht, was ich später mal machen möchte. Ist
ja auch noch ein Stück hin bis später
Stephan:
Könnt Ihr von der Musik leben?
Keke: Ich nicht.
Gordon: Ich auch nicht.
Russell: Ich auch nicht.
Matt: Ich schon. Aber nur, weil ich meine Lebensmittel immer bei
Lidl kaufe.
Stephan:
Ihr kriegt ja viel Fanpost von Mädchen, die Euch total süß
finden: Habt Ihr eigentlich eine Freundin?
Keke: Ich hab keine Freundin. Ich hab wegen des ständigen Tourens
gar keine Zeit für eine Freundin.
Gordon: Ich hab auch keine Zeit.
Russell: Ich hätte Zeit. Habe die Richtige aber noch nicht
gefunden.
Matt: Ich hätte auch gerne eine Freundin. Ich hab gehört, die
Französinnen seien total süß. Das sind die hübschesten Mädchen
der Welt.
Stephan:
Und wie ist es mit den deutschen Mädchen? Das Interview wird nämlich
auch im deutschen Internet veröffentlicht.
Keke: Also die deutschen Mädchen sind auch die hübschesten Mädchen
der Welt.
Gordon: Zusammen mit den Französinnen.
Russell: Genau!
Matt: Wie kommt es eigentlich, dass das Interview auch in
Deutschland veröffentlicht wird?
Stephan:
Weil ich aus Deutschland bin und zwei Fliegen schlagen möchte.
Keke: Was! Ich dachte, Du seiest Engländer wie wir.
Gordon: Ich auch.
Russell: Ich auch.
Matt: Wie kommt es, dass Du so akzentfrei Englisch sprichst, so gut
wie ein Engländer? Es ist unglaublich.
Stephan:
Ich hatte das drei Jahre in der Schule.
Keke: Ach so, na dann!
Gordon: Na dann erklärt sich alles.
Russell: Das ist dann natürlich kein Wunder.
Matt: Aber das muss doch schon eine Ewigkeit her sein, seit Du aus
der Schule bist. Ich meine, doch mindestens 30 Jahre. Da verlernt
man das doch wieder.
Stephan:
So alt bin ich noch gar nicht. Ich sehe nur so aus. Das liegt daran,
dass ich so schwer krank bin. Ganz schwer.
Keke: Oh!
Gordon: Oh!
Russell: Oh!
Matt: Oh!
…..
betretenes Schweigen ….
Stephan:
Kommen wir zur letzten Frage: Wie ist es für Euch, in Frankreich
vor einem Publikum aufzutreten, das Eure Texte zum einen nicht
versteht und sie zum anderen immer mit einem ziemlich starken Akzent
mitsingt?
Keke: Also mich macht das immer ganz schön traurig.
Gordon: Mich bringt das immer ganz aus dem Konzept.
Russell: Ich versuche, in Frankreich nicht auf das Publikum zu
achten.
Matt: Ich mache mir Ohropax rein. Dann geht’s.
Stephan:
Danke Euch für das Interview.
Keke,
Gordon, Russell und Matt versichern mir, dass sie das Interview mit
mir sehr genossen haben und wir tauschen unsere Mailadressen aus.
Ganz unverhofft laden sie mich ein, sie auf ihrer Tour zu begleiten.
Ich schlage ein, denn schließlich weiß ich seit meinem Rausschmiss
aus dem Lycée Fénelon sowieso nicht mehr, was ich mit meiner Zeit
anfangen soll.
Aus
mir nicht erklärlichen Gründen wird mein Interview von der presto-Redaktion abgelehnt. Für mich schreit das nach Zensur, wobei
ich nicht verstehe, was es an meinem Interview zu zensieren gibt.
Aber ich lasse mir nicht den Mund verbieten. Schließlich hab ich
Internet. Dann stelle ich es eben ins Netz. Auch so erfährt die
Weltöffentlichkeit, was ich an Infos aus den Jungs herausgekitzelt
habe.
Version
française
Sixième
chapitre: 8 novembre – 14 octobre
Vendredi
dernier, Bloc Party fit escale à Lille et donna un concert à l’Aéronef,
une salle qui peut contenir environ 3000 personnes. Comme il n’y
avait pas de journaliste anglophone sur Lille et comme les Allemands
sont connu pour leur aptitude pour les langues, on m’a demandé si
je pouvais interviewer le groupe pour le journal La voix du nord, qui équivaut peu ou prou au New York Times.
Voilà,
mon entretien :
La
porte de l’espace VIP s’ouvre doucement et Keke, Gordon, Russell
et Matt entrent timidement. Après m’avoir découvert, ils
s’avancent vite vers moi, comme si je constituait une sorte de
tonnelle, qui leur sert d’arbri contre un monde plein d’ennemis.
Ils sont vraiment mignons, les gars. Bon alors, si j’étais une
fille.... Et bien élévés
aussi. Tous se lavent les mains avant de serrer la mienne.
Stephan: Salut les gars! C’était comment le
concert?
Keke:
Super!
Gordon:
Énorme!
Russell:
Un plein carton!
Matt:
Gigantesque!
Déhors,
en entend toujours la foule frénétique demandant un rappel.
Stephan: Préfériez vous d’abord jouer
encore faire un rappel, avant qu’on ne commence avec l’entretien?
Keke:
Non!
Gordon:
Non!
Russell:
Non!
Matt:
Non! On commence
l’entretien! On tient nos promesses.
Stephan: Bon! Quels sont vos repas favoris?
Keke:
Moi, j’adore Fish and Chips.
Gordon:
Moi aussi.
Russell:
Moi aussi.
Matt:
Moi non.
Stephan: Qu’aimeriez-vous devenir plus tard?
Keke:
Moi, j’ai envie de d’être un jour gérant d’un sauna. Pendant
deux ans, je m’y investirai à fond et après je prendrai ma
retraite.
Gordon:
Je veux devenir prof de sport.
Russell:
Moi, conducteur de trains.
Matt:
Moi, par contre, je n’ai pas encore une idée ce que je ferai plus
tard. De toute manière, il me reste quand même encore un peu de
temps jusqu’à là.
Stephan: Arrivez-vous à gagner votre vie avec
la musique?
Keke:
Non.
Gordon:
Moi non plus.
Russell:
Pareil.
Matt:
Moi, j’y arrive. Mais
je ne dépense vraiment pas beaucoup. Je dois toujours faire mes
cours chez Lidl. (Éclat de rire de tous.)
Stephan: Il y a en effet de nombreuses filles
qui en vous écrivant vous annoncent qu’elles aimeraient bien
sortir avec vous. D’ailleurs, avez-vous une petite copine?
Keke:
Pas de copine. A force d’être en tournée pendant des mois
entiers, je n’ai pas le temps d’avoir une copine.
Gordon:
Moi, je me trouve dans la même situation.
Russell:
Si on voulait vraiment avoir une copine, on s’arrangerait.
Malheureusement, je n’ai toujours pas trouvé la bonne. (Il
a les larmes aux yeux.)
Matt:
Moi ausssi, j’aurais envie d’avoir une copine. J’ai entendu
que les Françaises sont très mignonnes, les plus chaudes filles
sur terre.
Stephan: Et comment jugez vous les filles allemandes? C’est que cet
interview va également être publié sur l’internet allemand.
Keke:
Alors, les Allemandes sont aussi les plus belles filles.
Gordon:
Tout aussi belles que les Françaises, qui sont vraiment les plus
belles.
Russell:
T’as trop raison!
Matt:
D’ailleurs, comment ça se fait que l’interview est également
publiée en Allemagne?
Stephan: Parce que je suis Allemand et que je
veux faire d’une pierre deux coups.
Keke:
Putain! Je te croyais Anglais comme nous.
Gordon:
Moi aussi.
Russell:
Moi aussi.
Matt:
Comment est-tu arrivé à un tel perfectionnement ? Sans fautes,
sans le moindre accent. C’est incroyable !
Stephan: Je suivais des cours d’anglais
pendant trois ans au lycée.
Keke:
Ah bon ! Je comprends.
Gordon:
Cela explique tout.
Russell:
Avec trois ans d’anglais, c’est normal.
Matt:
Mais dis-moi. Ça doit
faire une éternité que tu as quitté le lycée. Au moins, 30 ans.
Comment tu as fais pour ne pas tout oublier.
Stephan: Je fais beaucoup plus vieux que je ne
le suis en effet. Depuis des années, je souffre d’une grave
maladie qui m’a fait vieillir très, très vite.
Keke:
Oh!
Gordon:
Oh!
Russell:
Oh!
Matt:
Oh!
…..
silence
pesant ….
Stephan: Passons à la dernière question:
Comment vivez-vous l’expérience de donner des concerts dans un
pays où le public ne comprends rien à l’anglais et qui chante
sur vos chansons avec un accent horrible?
Keke:
Ça me rend toujours très triste.
Gordon:
À moi, ça me fait perdre le fil.
Russell:
Moi, j’essaie de ne pas prêter attention à notre public ici.
Matt:
Je prends des boules quies. Comme ça ça va.
Stephan: Je vous remercie.
Apparemment,
je les ai vraiment impressionné puisqu’ils me demandent si j’ai
envie de les accompagner sur leur tournée. Comme je n’ai rien à
faire, vu qu’on m’a viré de mon lycée, j’accepte.
À
mon grand regret, la rédaction de La
voix du nord à refusé de publier mon interview, pour des
raisons hallucinantes. Selon eux, je n’ai pas posé les bonnes
question et de surcroît trop polémisé sur l’accent des Français
lorsqu’ils veulent parler en anglais. Mais on ne va pas m’empêcher
de dire la vérité, surtout pas de nos jours, où il y a
l’internet. Grace à l’internet, la censure n’est plus
possible. Soit béni, l’internet.
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